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Open-Source-Shopsysteme 2026: Der ehrliche Vergleich

Neun Systeme für deutsche Unternehmen verglichen, mit den Spalten, die sonst niemand prüft: DATEV-Anbindung mit konkreten Extensions und Preisen, DSGVO-Tauglichkeit, Agentur-Landschaft. Shopware zuerst, Headless erklärt, Marketplace als eigene Kategorie.

9 min

Ein Open-Source-Shopsystem ist Shopsoftware, deren Quellcode Sie lesen, anpassen und selbst hosten dürfen: Ihre Checkout-Logik läuft auf Ihrer eigenen Infrastruktur, mit voller Hoheit über die Daten und ohne Lizenzzähler auf dem Umsatz. Für deutsche Unternehmen kommen drei Fragen dazu, die internationale Vergleiche nie stellen: Wie kommt die Buchhaltung an DATEV? Wo liegen die Daten? Und wer betreut das System, wenn die Agentur wechselt?

Genau diese Spalten hat dieser Vergleich. Neun Systeme, alle Fakten am 27. August 2026 an den Primärquellen geprüft: Lizenzen aus den LICENSE-Dateien, Preise von den Preisseiten, DATEV-Extensions aus den offiziellen Stores, Aktivität aus der GitHub-API. Und weil ich selbst einen Marktplatz auf einem dieser Systeme produktiv betreibe, steht am Ende auch, was der Betrieb wirklich kostet. Dies ist übrigens kein Zwilling meines englischen Plattform-Guides, sondern ein eigener Artikel mit deutscher Gewichtung, und die beginnt beim Marktführer.

Die große Tabelle: 9 Systeme, deutsche Kriterien

Ein Wort zur Spalte „EU-Hosting / DSGVO“: Bei selbst gehosteter Software ist DSGVO-Tauglichkeit eine Betriebsfrage, keine Softwareeigenschaft. Wer in der EU hostet, kontrolliert Datenstandort und Auftragsverarbeitung selbst – das können alle neun Systeme; die eigentliche DSGVO-Arbeit (AVV, Löschkonzepte, TOMs) bleibt bei Ihnen.

SystemStackLizenzEinstiegskostenEU-Hosting / DSGVODATEV/GoBDAgenturen DEHeadlessMarketplace
Shopware CEPHP/SymfonyOpen Core, CE frei0 € (CE), Pläne ab 600 €/Mon.✓ Self-Hosting✓ mehrere Store-Extensions ab 54 €/Mon.konkurrenzlosComposable FrontendsDritt-Extensions
WooCommercePHP/WordPressGPLv30 € + ExtensionsDrittanbieter (529 €/J., außerhalb offizieller Stores)sehr großüber UmwegeDritt-Plugins
Magento OSPHPOSL-3.00 €, hoher Betrieb✓ Adobe Marketplace + XTENTO 499 €vorhanden, schrumpfendüber UmwegeDritt-Extensions
PrestaShopPHPOSL-3.0/AFL-3.00 € (Classic)✓ Addons-Modul (SKR 03/04), Silbersaiten 99 €eher FR/Südeuropaüber UmwegeAddons
SyliusPHP/SymfonyMIT0 €, Plus ab 800 €/J.Eigenbau (nichts im offiziellen Addons-Store)klein, spezialisiertja (API Platform)Plus-Paket (kommerziell)
SmartstoreC#/ASP.NET CoreAGPL-3.00 € (Community)✓ (deutsches Unternehmen)✓ über sevdesk-Integrationkleinnein
MedusaTypeScript/NodeMIT-Kern0 €, Cloud ab 29 $Eigenbau (nichts im offiziellen Verzeichnis)sehr kleinKernarchitekturvia Mercur
Saleor / VendurePython bzw. TypeScriptBSD-3 bzw. GPLv3+kommerziell0 € self-hostedEigenbausehr kleinKernarchitektur
MercurTypeScript (auf Medusa)MIT0 €Eigenbausehr kleininklusive OberflächenKernzweck

Alle Angaben am 27. August 2026 geprüft; Quellen in den Abschnitten. Die DATEV-Spalte nennt geprüfte Extensions, keine Vollständigkeitsgarantie.

Shopware: der Marktführer, und zwar verdient

Shopware gehört an den Anfang jeder deutschen Liste, nicht aus Höflichkeit, sondern wegen der Fakten: Laut der EHI-Studie mit eCommerceDB ist es, wie Shopware selbst berichtet, mit 11,5 % zum vierten Mal in Folge das meistgenutzte Shopsystem unter Deutschlands Top-1.000-B2C-Shops. Die Community Edition ist quelloffen und kostenlos; die kommerziellen Pläne heißen laut Preisseite Rise (ab 600 €/Monat), Evolve (ab 2.400 €/Monat) und Beyond; der Sprung zu Evolve kauft vor allem B2B-Komponenten und erweiterten Support, während für viele Mittelständler die Community Edition plus Agentur das realistische Modell bleibt – das Budget fließt dann in Anpassung statt Lizenz. Technisch: PHP 8.2+, Symfony, API-first, mit den offiziellen Composable Frontends (Vue, Nuxt 3) als Headless-Weg.

Was die deutsche Spalte angeht, ist Shopware die Referenz: Der offizielle Store listet mehrere DATEV-Extensions, vom kostenlosen JUNUX-Export über IWV ab rund 54 €/Monat bis zur Cloud-Variante mit ausdrücklicher GoBD-Angabe (129 €/Monat). Dazu kommt, was kein anderes System hier bietet: hunderte deutsche Agenturen, deutschsprachiger Hersteller-Support, fertige Anbindungen für deutsche Zahlungs- und Versandprozesse. Für den Mittelstand mit Agenturbetreuung ist Shopware die naheliegende Wahl, und wer wissen will, wo die Grenze zu den Headless-Systemen verläuft: Genau dafür habe ich den Vergleich Medusa vs. Shopware geschrieben.

WooCommerce: das WordPress-Universum

WooCommerce ist ein GPLv3-Plugin für WordPress mit über 7 Millionen aktiven Installationen, Version 11.0.1 vom 10. August 2026. Wer bereits in WordPress lebt, bekommt hier den kürzesten Weg zum Shop und den größten Pool bezahlbarer Entwickler.

Die deutsche Realität hat einen Haken: In den offiziellen Marktplätzen (WooCommerce.com, WordPress.org) findet sich kein etabliertes DATEV-Plugin; die verbreitete Lösung ist ein Drittanbieter-Plugin außerhalb der Stores für 529 €/Jahr. Die bekannten Germanisierungs-Plugins decken Rechtstexte und Checkout-Pflichten ab – German Market und Germanized binden an Lexware Office und sevdesk an, nicht direkt an DATEV. Machbar ist alles, aber die Buchhaltungsstrecke ist hier Recherchearbeit statt Store-Klick. Und strukturell erbt WooCommerce eben WordPress: Plugin-Qualitätslotterie inklusive, und irgendwann die Grenzen der Skalierbarkeit.

Magento Open Source: der Schwergewichts-Bestand

Magento Open Source bleibt eine vollständige PHP-Plattform: OSL-3.0, Release 2.4.9 vom Mai 2026, DATEV-seitig versorgt über den Adobe Commerce Marketplace sowie XTENTO (499 €).

Für bestehende Magento-Installationen mit eingespieltem Team rechnet sich Bleiben oft: Die Migrationskosten übersteigen den Architekturgewinn. Für Neuprojekte 2026 ist Magento dagegen schwer zu empfehlen – die Release-Kadenz ist die langsamste im Feld, der Betrieb verlangt die meiste Infrastruktur, und die ehrliche Einordnung liefert Adobe gleich selbst: Das eigene README beschreibt die Open-Source-Variante als Basis-Funktionsumfang und empfiehlt das kostenpflichtige Adobe Commerce.

PrestaShop: der europäische Praktiker

Der überraschendste DATEV-Befund dieser Recherche steht bei PrestaShop: Der offizielle Addons-Marktplatz führt ein Export-Modul mit SKR-03/04-Kontenrahmen, dazu kommt das Silbersaiten-Modul für 99 € – mehr offizielle Buchhaltungs-Abdeckung als bei WooCommerce. Dahinter steht ein System (OSL-3.0, Version 9.1.5 vom 18. August 2026, nach eigenen Angaben über 250.000 Händler), das in Frankreich und Südeuropa das ist, was Shopware in Deutschland ist. Hierzulande ist die Agenturdichte dünner als bei Shopware, die Architektur wirkt neben Sylius angegraut, aber als solide, günstige Klassik-Lösung mit EU-Verankerung verdient es seinen Platz.

Sylius: modernes PHP, sauber lizenziert

Sylius ist die technisch eleganteste PHP-Option: Symfony, API Platform, MIT-Lizenz (die freundlichste im PHP-Feld), Version 2.2.8 vom Juli 2026. Das kommerzielle Sylius Plus ab 800 €/Jahr liefert unter anderem B2B-Suite und, bemerkenswert, eine Marketplace-Suite. Die Grenze für deutsche Standardfälle: Im offiziellen Addons-Store findet sich keine DATEV-Anbindung – die Buchhaltungsstrecke müssen Sie selbst bauen oder von Ihrer Agentur bauen lassen – und die deutsche Agenturlandschaft ist klein und spezialisiert. Für PHP-Teams mit Headless-Ambitionen und individuellen Anforderungen dennoch die erste Adresse im eigenen Stack.

Smartstore: der deutsche Geheimtipp im .NET-Stack

Smartstore ist die Kuriosität mit Substanz. Entwickelt von der SmartStore AG in Dortmund, gebaut auf ASP.NET Core 10 und C#, lizenziert unter AGPL-3.0; Version 6.4.0 erschien im Mai 2026, und das Repository war am Prüftag aktiv. Die Community Edition ist kostenlos; Premium- und Enterprise-Editionen gibt es auf Anfrage. Als deutsches Produkt denkt es deutsche Prozesse mit, DATEV-Export wird über die sevdesk-Integration beworben. Die Einschränkungen sind ehrlich zu nennen: mit 1.519 GitHub-Sternen die kleinste Community im Feld und ein Stack, der nur für .NET-Häuser ein Vorteil ist. Genau dort aber ist Smartstore konkurrenzlos: Wer ein C#-Team hat, findet hier das einzige ernsthafte Open-Source-Shopsystem im eigenen Stack.

Die Headless-Kategorie: Medusa, Saleor, Vendure

Headless heißt: Das Backend liefert APIs, das Frontend ist Ihr Projekt. Für Entscheider übersetzt: maximale Freiheit, zwingend eigenes Entwicklerteam, und die deutschen Komfort-Spalten (DATEV-Extensions, Agenturnetz) müssen Sie hier durchgängig selbst bauen; das ist der strukturelle Preis der jungen, internationalen Ökosysteme.

Medusa (TypeScript, MIT-Kern, 36.026 GitHub-Sterne, v2.19.0 vom 13. August 2026) ist mein eigenes Produktionssystem und die Referenz für Commerce als individuelles Produkt: Module, Workflows mit Rollback, dazu das stärkste KI-Tooling des Feldes (offizieller MCP-Server, Agent-Skills), das ich im Guide zu Medusa und KI-Agenten beschreibe. Die Kostenrechnung gegen Shopify zeigt, wann sich das rechnet. Saleor (Python/Django, BSD-3, 23.267 Sterne, GraphQL-only) ist die Wahl für Python-Organisationen. Vendure (TypeScript/NestJS, 8.377 Sterne) fühlt sich am meisten nach fertiger Plattform an, trägt aber die Lizenz-Fußnote des Feldes: GPLv3 mit kommerzieller Alternativlizenz, vor proprietärer Geschäftslogik bitte juristisch prüfen.

Die Marketplace-Kategorie: Mercur

Multi-Vendor ist eine eigene Systemschicht: Händler-Panels, Auftragssplitting, Provisionen, Auszahlungen. Mercur (MIT, auf Medusa) liefert diese Schicht quelloffen und ist damit im Open-Source-Feld allein auf weiter Flur; Sylius verkauft Vergleichbares im kommerziellen Plus, bei Shopware und WooCommerce führen Dritt-Extensions zum Ziel. Mercur ist jung (1.738 Sterne, ein dominanter Maintainer), was ich in meiner unabhängigen Review (EN) offen einordne; den praktischen Aufbau zeigt der Marktplatz-Leitfaden. Mein eigener Marktplatz mit 10.000 Produkten und 50 Händlern läuft produktiv auf dieser Architektur.

Was der Betrieb wirklich kostet

Die Lizenzspalte ist die unwichtigste Kostenzeile dieser Tabelle. Meine Produktionszahlen als Anker: Der komplette Medusa-Stack meines Marktplatzes kostet auf Railway 40–60 US-Dollar im Monat, die Bilder in Cloudflare R2 unter einem Dollar. Der Marktplatz selbst entstand übrigens als Migration von WordPress – die Geschichte samt Stolperfallen steht im eigenen Praxisbericht. Wo so ein Stack laufen kann – Railway, Vercel oder eigener Server – rechnet der Deployment-Vergleich mit geprüften Preisen durch. Infrastruktur ist billig geworden; teuer sind Entwicklung und Pflege, und die skalieren mit der Individualität Ihrer Anforderungen, nicht mit dem Umsatz. Die dreijährige Szenariorechnung gegen Shopify gilt sinngemäß für jedes System hier: Der kleine Standard-Shop fährt mit SaaS günstiger, der Wendepunkt kommt, wenn Individualisierung ohnehin Budget bekommt.

Entscheidungsmatrix: Welches System für welches Team?

Ihre SituationErste WahlAuch prüfen
Mittelstand, Agenturbetreuung, Standard-B2C/B2BShopware CEPrestaShop
WordPress-Umgebung vorhandenWooCommerce
Bestehende Magento-Installationbleiben und modernisierenMigration nur bei strukturellen Gründen
PHP-Team, Headless-AmbitionenSyliusShopware Composable Frontends
C#/.NET-HausSmartstore
TypeScript-Team, Commerce als ProduktMedusaVendure (Lizenz prüfen)
Python-OrganisationSaleor
Marktplatz geplantMercur auf MedusaSylius Plus
Kein Entwicklerbudgetehrlich: SaaS statt Open SourceShopify & Co.

Entscheidungsbaum: Welches Open-Source-Shopsystem passt zu welchem Team – Shopware für Mittelstand mit Agentur, WooCommerce für WordPress-Umgebungen, Smartstore für .NET-Teams, Medusa für TypeScript, Mercur für Marktplätze

Und die Frage, die vor der Systemwahl kommt: Passen Anforderungen und Team überhaupt zu Open Source? Ein kleiner Standard-Shop ohne Entwicklerkapazität wird mit jedem System dieser Liste unglücklich; das schreibe ich als jemand, der vom Gegenteil lebt. Eigentum lohnt sich, wenn Sie damit etwas Konkretes gewinnen: individuelle Logik, Datensouveränität, gebührenfreie Skalierung oder ein Marktplatz-Modell. Wenn Sie Ihren Fall einordnen wollen, ohne Wochen in Evaluation zu stecken: Mein Architektur-Audit beantwortet genau das in ein bis zwei Wochen, und alle Artikel der Serie sammelt der Themenbereich E-Commerce.

Pawel Owerczuk
Pawel Owerczuk

AI Agent & RAG Developer

AI Agent & RAG Developer mit über 10 Jahren Erfahrung in der Softwareentwicklung. Spezialisiert auf intelligente KI-Lösungen für Unternehmen im DACH-Raum.

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Häufige Fragen

Für den deutschen Standardfall mit Agenturbetreuung: Shopware, aus gutem Grund Marktführer. Für WordPress-Umgebungen: WooCommerce. Für PHP-Teams mit Headless-Ambitionen: Sylius. Für TypeScript-Teams mit individuellen Anforderungen: Medusa. Für Marktplätze: Mercur. Das beste System ist das, das zu Team und Anforderungen passt, nicht das mit der längsten Feature-Liste.

Mit geprüften Extensions (Stand 27.08.2026): Shopware (mehrere im offiziellen Store, ab 54 €/Monat, teils mit GoBD-Angabe), Magento (Adobe Marketplace plus XTENTO für 499 €), PrestaShop (offizielles Addons-Modul mit SKR 03/04, dazu Silbersaiten für 99 €), Smartstore (über die sevdesk-Integration). Bei WooCommerce existiert eine etablierte Drittanbieter-Lösung außerhalb der offiziellen Marktplätze (529 €/Jahr). Bei Sylius und Medusa bleibt es Eigenbau.

Die Community Edition ja: quelloffen, selbst hostbar, 0 €. Die kommerziellen Pläne Rise (ab 600 €/Monat), Evolve (ab 2.400 €/Monat) und Beyond liefern Zusatzfunktionen wie B2B-Komponenten und Support. Für viele Mittelständler ist die Community Edition plus Agentur das realistische Modell.

Ein System, bei dem das Backend nur APIs liefert und das Frontend ein eigenes Projekt ist. Vorteil: volle Gestaltungsfreiheit und saubere Integrationen. Preis: Sie brauchen ein Entwicklerteam. Medusa, Saleor und Vendure sind so gebaut; Sylius kommt nah heran; Shopware 6 kann es über die offiziellen Composable Frontends.

Multi-Vendor ist eine eigene Systemschicht, kein Feature-Häkchen. Mercur liefert sie MIT-lizenziert auf Medusa-Basis: Händler-Panel, Auftragssplitting, Provisionen, Auszahlungen. Sylius verkauft Marketplace-Funktionen im kommerziellen Plus-Paket; bei Shopware und WooCommerce führen Dritt-Extensions mit eigenen Grenzen zum Ziel.

Wenn Katalog und Checkout dem Standard entsprechen und kein Entwicklerbudget existiert. Jedes System in diesem Vergleich setzt Engineering-Kapazität voraus; das ist der Preis des Eigentums. Ein kleiner Standard-Shop fährt mit Shopify oder einem vergleichbaren SaaS günstiger, und etwas anderes zu behaupten verkauft Ihnen eine Wartungslast.